I don’t remember lighting this cigarette and I don’t remember if I’m here alone or waiting for someone

anchor (wearing http://www.lonnet-originals.com/ )

Es ist halb vier Uhr morgens und ich unterhalte mich mit Martin über sein neustes von einer futuristischen Revolution in Israel handelndes Drehbuch. Und darüber, wieso er seine Arbeit am liebsten inmitten eines vollen Clubs zu Techhouse verrichtet. Ich grinse schief und ein wenig belustigt, dabei habe ich mir gerade in meinem Iphone Notizen zu diesem Blogeintrag gemacht – bin also eigentlich kein Deut besser und müsste ihn verstehen. Allerdings ist das hier auch eine Art Tagebuch, verdreht und überspitzt vielleicht, aber davon nicht weniger auf Wahrheit basierend. Irgend so ein Wichser schlägt mir fast mein Kix aus der Hand und ich bin geneigt, meine Kippe an seiner Stirn auszudrücken. Warum hat eigentlich heutzutage niemand mehr eine gesunde Selbsteinschätzung, und wieso wissen die Clubbesitzer nicht, wieviel Kapazität ihr Club hat oder was Einlassstop bedeutet?
Ich versuche trotzdem mich in die Zahnräder dieses Uhrwerks einzuklinken und in die Bewegung der homogenen Masse unter mir einzufließen, dafür stehe ich schließlich jeden Freitag Abend wieder hier, denn das ist der einzige Fixpunkt in meinem Leben, auf den ich mich im Moment verlassen kann.
Ich bin, was die Welt aus mir gemacht hat, und nun stehe ich hier mit zerrissenen Strumpfhosen und finde den Garderobenzettel in meinem Bh nicht mehr. Same story different club, außerdem ists diesmal eine Tussi an der Garderobe und die macht leider keine Ausnahme für mich. Glitzer fliegt durch die Luft, Realität verfliegt. Nennt mich ignorant, aber diese Tv-reife-Scharade hier langweilt mich zu Tode.
Hier drin sind alle so verzweifelt überhaupt irgendetwas zu spüren, dass sie schon bereitwillig auf eine Wand auf Glas zulaufen, und dann lassen sie andere Leute die Wunden nähen, die die Scherben hinterlassen haben. Dabei sollten wir alle einmal lernen, wie heilen (lassen) geht.

Heute also wieder Gesellschaftskritik und Weltverbesserungsdrang auf der Getränkekarte, statt dem üblichen Tom Collins, Miss Collins?
Lass uns in das Auto vor dem Club steigen und nach Berlin fahren, nicht, weil dort irgendetwas anders oder besser ist als hier, sondern einfach, weil es ein Haufen blanker Blätter ist, und weil auf denen hier schon so viel schweres steht. Ich mal und schreib mir meine Welt wie sie mir gefällt, nur bin ich leider weder Dalí noch Casper, also kann das hier eigentlich nur schiefgehen.
Und trotzdem bauen wir ein Schloss aus Träumen und sehen den Himmel rosarot, vergessen die Dämonen die sich in uns zuhaus fühlen und den Aufprall, der auf Anziehung folgt.
Weil für dich gehe ich jedes mal wieder in den vollen Club und hoffe, mich frei bewegen zu können, und für dich schreibe ich ein neues Drehbuch, egal, wie oft ich es schon zerrissen habe.

Wir können schließlich alle unseren eigenen Happy Ends schreiben, wenn wir nur genug an sie glauben.

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